Städtische und lokale Ernährungssysteme für einen nachhaltigen Wandel der Ernährungssysteme nutzen

Abteilung für Ernährungssysteme und Lebensmittelsicherheit (ESF)

Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO)

Zeit: Freitag, 20. Januar 2023, 11:30 – 13:00 Uhr

Raum: M4-M5

Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch

Zusammenfassung:

Das Podium wurde vom FAO-Chefökonom Maximo Torero eingeleitet. Der Moderator, Raimund Jehle, gestaltete den Rahmen der Diskussion.
Der Vorsitzende des Welternährungsausschusses der Vereinten Nationen, Gabriel Ferrero, eröffnete die Diskussion mit Schwerpunkt auf einem neuen Ansatz für Verwaltungsstrukturen sowie auf der Bedeutung lokaler Aspekte für Ernährungssysteme, die nun auch vom CFS berücksichtigt werden.
Die Perspektive der Bevölkerung vor Ort wurde durch die beiden Städtevertreterinnen gewährleistet: die Bürgermeisterin von Tunis, Souad Abderrahim, sowie Asher Craig, die stellvertretende Bürgermeisterin von Bristol.
Erstere forderte mehr Sichtbarkeit und Aufklärung im Bereich der Ernährungssysteme und Lebensmittel und berichtete von praktischen Projekten, die gemeinsam mit der Stadtgemeinde umgesetzt wurden, insbesondere um den mangelnden Aufbau von Kapazitäten vor Ort in Angriff zu nehmen.
Weitere Beispiele aus Bristol wurden dargelegt, wobei Asher Craig sich auf die finanziellen Aspekte der Multistakeholder-Partnerschaften und das Einbeziehen von unterschiedlichen Akteuren in Entscheidungsprozesse konzentrierte.
Für Armen Harutjunjan von der Eurasischen Wirtschaftskommission stand die Privatwirtschaft im Zentrum der Diskussion. Er setzte sich dafür ein, dass innovative Maßnahmen auch auf lokaler Ebene umgesetzt werden.
Aus einer akademischen Perspektive brachte Jane Battersby von der Universität Kapstadt einige wichtige Herausforderungen an, die durch die Urbanisierung hervorgerufen werden, und beschrieb, wie diese die Ernährungssysteme und deren Verwaltung verändern werden.
Das Podium präsentierte praktische Lösungen für die Einbeziehung von Städten bei der Transformation von Ernährungssystemen.
Diese beinhalten eine partizipatorische Verwaltung anstelle von Top-Down-Ansätzen, innovative Ansatzpunkte und Plattformen wie die neue Koalition für städtische Lebensmittelsysteme.

Keynote Sprecher

Máximo Torero Cullen ist Chefökonom der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO). Ab 2009 war er beigeordneter Generaldirektor der FAO-Abteilung für Wirtschaftsföderung und soziale Entwicklung. Vor seiner Zeit bei der FAO war er als Exekutivdirektor bei der Weltbankgruppe in Washington, D.C., für die Länder Argentinien, Bolivien, Chile, Paraguay, Peru und Uruguay zuständig. Von 2006 bis 2016 leitete er die Abteilung für Märkte, Handel und Institutionen des Internationalen Instituts für Ernährungspolitik und Ernährungsforschung (IFPRI). Er ist Professor an der Universidad del Pacífico in Peru (beurlaubt) und Humboldt-Forschungsstipendiat an der Universität Bonn. Der Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit liegt auf der Analyse von Armut und Ungleichheit, der Rolle von geografischen Aspekten und Vermögensgegenständen für die Erklärung von Armut und auf politischen Konzepten, die Armut bekämpfen und sich auf Infrastruktur und Institutionen stützen sowie auf die Tatsache, dass technologische Errungenschaften (oder Diskontinuitäten) zum Wohlergehen von Privathaushalten und Kleinbauern beitragen. Er hat Erfahrung in den Regionen Lateinamerika, Subsahara-Afrika und Asien.

Podiumsgäste

Der Lebenslauf ist momentan nur auf Englisch verfügbar.

Craig hat über 30 Jahre Erfahrung als Gemeinde-Aktivistin und -Sprecherin, Unternehmensberaterin und Lokalpolitikerin. Sie hat sich für die Bedürfnisse derjenigen ohne Mitspracherecht eingesetzt, mit besonderem Schwerpunkt auf der sozio-ökonomischen Entwicklung von PoC-, Minderheiten- und anderen unterrepräsentieren Gemeinden. Sie war Leiterin und Vorsitzende einiger großer Partnerschaften und Organisationen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene und war in der Kommunalverwaltung und im Nonprofit-Bereich auf den Gebieten Arbeit und Ausbildung, Qualifikationen und Fertigkeiten, Nachwuchsgewinnung, Interessenvertretung sowie Gleichstellung und Diversität tätig.
Craig wurde im Mai 2016 im Wahlkreis St George West, Bristol, zum Ratsmitglied für die Labour-Partei gewählt und wurde im August 2016 für das breit gefächerte Stadtteile-Ressort ins Kabinett berufen.
Im März 2017 wurde Craig gebeten, das Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin mit Schwerpunkt auf Gemeinden zu übernehmen – ein neues Ressort, in das sie das Thema der öffentlichen Gesundheit mitbrachte und es dort vorantrieb. Mit Blick auf rassistisch oder ethnisch begründete Gefälle im Gesundheitswesen setzt sie sich für die Bekämpfung von Ungleichheiten und Risiken für die öffentliche Gesundheit auf den verschiedensten Ebenen ein, die sich auf diverse städtische Bevölkerungsgruppen auswirken. Dazu gehörte z. B. die Entwicklung eines ganzheitlicheren, nachhaltigen, inklusiven und gesünderen Nahrungsmittelsystems, mit dem Bristol 2021 den goldenen „Sustainable Food City“-Preis gewann und, auf diesem Impuls aufbauend, 2022 den „Bristol Good Food 2030 Framework and Actions“-Plan entwickelte.
Im Oktober 2021 wurde Craig in ein neues Ressort berufen, das sich mit Kinderbetreuung, Bildung und Gleichstellung beschäftigt.
Eine ihrer größten Leistungen besteht in der Entwicklung des neuen, bahnbrechenden Führungskompetenz-Programms „Stepping Up“, das bereits mehrere Preise gewonnen hat und den “One City Approach” („Eine-Stadt-Ansatz“) der Stadt Bristol anwendet.
Craig ist Mitglied des Polizei- und Kriminalität-Ausschusses für Avon und Somerset, verwaltet eine nationale Bildungsstiftung mit Vergabegremium und ist stolze Mutter von 3 Töchtern.

Teamleader des Sonderbeauftragten für Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit. In dieser Funktion repräsentierte er den Generalsekretär der Vereinten Nationen beim Beraterausschuss des Ausschusses für Welternährungssicherheit und beim Steuerungsausschuss des Globalen Programms für Landwirtschaft und Ernährungssicherung. Er war Teil der 2015 von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon einberufenen Mailänder Gruppe für nachhaltige Ernährungssysteme und leistete einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung von Hunger und Armut mithilfe von klimaverträglichen, nachhaltigen Ernährungssystemen. Von 2012 bis 2016 war er Senior-Politberater für nachhaltige Entwicklung der Sonderberaterin des Generalsekretärs für die Entwicklungsagenda nach 2015, Amina J Mohammed, und hatte eine leitende Funktion in den Bereichen Ernährungssicherheit, Landwirtschaft und Ernährungssysteme, Bankwesen und Klimawandel. Er war ein geschätzter Bestandteil des Teams, das die Unterzeichnung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ermöglichte und spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Ban Ki-Moons „Null-Hunger“-Initiative und SDG 2. Vor seiner Zeit bei den Vereinten Nationen war er von 2007 bis 2019 stellvertretender Generaldirektor für Entwicklungspolitik im spanischen Außenministerium und war federführend bei der spanischen Reaktion auf die globale Ernährungskrise. 2009 koordinierte er das hochrangige Treffen “Food Security for all” in Madrid und trug maßgeblich zur Reformierung des Ausschuss für Welternährungssicherheit bei. In dieser Rolle war er als Leitautor des spanischen Masterplans für internationale Zusammenarbeit (2009-2012) tätig und hatte bedeutenden Einfluss auf die Ausarbeitung des Globalen Agrar- und Ernährungssicherungsprogramms (GAFSP), der Ernährungssicherungsinitiative von L’Aquila, des UN-Fonds für die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele und des spanischen Kooperationsfonds für Wasser und Sanitärmaßnahmen. Er war von 2000 bis 2007 Professor für Entwicklungstheorie und -planung an der Escuela Técnica Superior de Ingeniería Agronómica y del Medio Natural der Universitat Politècnica de València (UPV) und von 2004 bis 2007 Direktor des Centro de Cooperación al Desarrollo der Universität. Er gründete und koordinierte die Arbeitsgruppe für Entwicklungsforschung und angewandte Ethik. Seine Forschung und Praxis umfassen den Befähigungsansatz nach Sen und die Bereiche Entwicklungsmethodik, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung. Als gelernter Ingenieur hat er einen Ph.D. in Entwicklungsplanung und -management. Er war an der Veröffentlichung von über 50 Forschungsarbeiten beteiligt, darunter Beiträge für wissenschaftliche Fachzeitschriften, 3 Bücher, zahlreiche Buchbeiträge und Kommentare mit Schwerpunkt auf ländlicher Entwicklung, Klimawandel und Maßnahmeneffizienz. Er hat praktische Erfahrung mit Projekten, Programmen und politischen Konzepten auf den Gebieten Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und erneuerbare Energien; in Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Marokko und Argentinien. Er hat als Berater für nationale und regionale Regierungen, soziale Bewegungen und NGOs für ländliche Entwicklung, landwirtschaftliches Management und nachhaltige Entwicklungspolitik agiert.

Dr. Jane Battersby ist Stadtgeografin an der Universität Kapstadt in Südafrika. Sie hat einen Doktortitel von der Oxford Universität und führt Forschungsarbeiten zu städtischer Ernährungssicherheit, städtischen Ernährungssystemen und dem Management von Ernährungssystemen durch. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf dem Zusammenhang zwischen Ernährungssystemen und städtischen Systemen. Sie hat mit NGOs, der Zivilgesellschaft, UNO-Organisationen und lokalen Regierungen zusammengearbeitet, insbesondere im afrikanischen Raum.

Souad Abderrahim ist amtierende Bürgermeisterin von Tunis, der Hauptstadt von Tunesien. Sie wurde am 3. Juli 2018 zur Bürgermeisterin gewählt. Sie ist die erste Frau aus dem arabischen Raum, die das Amt der Bürgermeisterin einer arabischen Hauptstadt inne hat. Sie ist Teil der Ennahda-Bewegung. Am 23. Oktober 2011 wurde sie für Ennahda als Vertreterin der Hauptstadt Tunis in die Verfassungsgebende Versammlung gewählt.

Moderation

Jehle ist deutscher Staatsangehöriger und hat einen Doktortitel in Agrarökonomie.
Bevor er der FAO beitrat, war Jehle Landwirt, hatte mehrere Positionen in der akademischen Welt inne und arbeitete als Berater für die Generaldirektion für Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten der Europäischen Kommission.
Seit seinem Beitritt in die FAO 1999 hat er verschiedene Ämter am FAO-Hauptsitz in Rom bekleidet und ist seit 2007 im Regionalbüro für Europa und Zentralasien in Ungarn tätig.
Vor seiner Berufung zum Leiter des Regionalprogramms war Jehle stellvertretender Regional-Vertreter für Europa und Zentralasien und Koordinator für Regional-Initiativen.
Simultan zu seiner derzeitigen Position ist er seit 2016 FAO-Vertreter in Albanien, Armenien, Georgien und der Republik Moldau.

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