Resiliente Ernährungssysteme schaffen – mit Antworten der Betroffenen aus der Krise!

 

           

     

Forum Umwelt und Entwicklung
INKOTA-netzwerk e.V.
MISEREOR
FIAN Deutschland
Brot für die Welt

Zeit: Donnerstag, 19. Januar 2023, 16:00 – 17:30 Uhr

Raum: M6-M7

Sprachen: Englisch, Deutsch

Zusammenfassung:

Moderator Stig Tanzmann (Brot für die Welt) eröffnete das Panel mit einleitenden Worten über die Hungerkrise, die Klima- und Biodiversitätskrise sowie die Krise des Multilateralismus. Die erste Panelistin, Sefu Sunni, kenianische Koordinatorin des Mechanismus der Zivilgesellschaft und indigener Völker (CSIPM) für die Beziehungen zum UN-Ausschuss für Welternährungssicherheit (CFS), stellte sodann die Ergebnisse des Konsultationsprozesses des CSIPM hinsichtlich der Ernährungskrise vor und kritisierte die Global Alliance for Food Security, die viele Menschen nicht repräsentiere und das Recht auf Nahrung nicht explizit verankerte. Sie prangerte zudem die Abhängigkeit von industriellen Ernährungssystemen an und plädierte für die bessere Anerkennung der Partizipationsrechte von Frauen, indigenen Gruppen und jungen Menschen. Die brasilianische Professorin Veruska Prado untermauerte in ihrem Input die Beschreibung der Hungersituation vieler Menschen im globalen Süden anhand des Beispiels Brasilien. Gleichzeitig äußerte sie Hoffnung durch erste Gegenmaßnahmen der neuen Regierung Lula. Professor Antionio Andrioli, ebenfalls aus Brasilien, berichtete von Positivansätzen “von unten” und erfolgreiche agrarökologisch ausgerichtete Universitäten in dem südamerikanischen Land. Dr. Silke Bollmohr von Inkota unterstrich schließlich noch einmal die Bedeutung der Zivilgesellschaft auf globaler Ebene und die notwendige Bekämpfung des Einsatzes chemischer Pestizide und Düngemittel. 70-80% der Nahrung weltweit produzierten Kleinbauern und -bäuerinnen, es gelte daher ihre Stimmen ernst zu nehmen. Für ganzheitliche, agrarökologische Ansätze machte sich auch UN Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Michael Fakhri in seiner Keynote stark. Zusammen mit über 100 Teilnehmenden diskutierte das Panel schließlich weitere wichtige Lösungsansätze.

Hintergrundinformationen:

Keynote Sprecher

Michael Fakhri ist seit 2020 Sonderbeauftragter der UN für das Recht auf Nahrung und Professor an der University of Oregon School of Law. Er gibt Seminare zu den Themen Menschrechten, Recht auf Nahrung, Entwicklung und Handelsrecht und hat weltweit Vorträge zu internationalen Menschenrechts- und Entwicklungsthemen gehalten und öffentliche Dialoge mit Bauernorganisationen, Gewerkschaften und MenschrechtsaktivistInnen geführt. Er ist außerdem Direktor eines Projekts zur Stärkung der Ernährungssicherheit beim Zentrum für Umweltrecht und natürliche Ressourcen in Oregon.

Podiumsgäste

Prof. Andrioli ist Agrartechniker, studierte Philosophie und promovierte zum Thema Biosoja versus Gensoja an der Universität Osnabrück. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Johannes Kepler Universität in Linz und an der Gründung der Universidade Federal da Fronteira Sul (UFFS) in Brasilien beteiligt. Zudem war er Mitglied der brasilianischen Biossicherheitskommission CTNBio. Als Direktor und Vizepräsident der UFFS kümmerte er sich um den Aufbau von sechs weiteren Standorten der Hochschule im Süden Brasiliens. 2020 erhielt er den Naturschutzpreis vom Bund Naturschutz in Bayern. Seit dem 01.08.22 ist er als Gastwissenschaftler am CSS (Center for Sustainable Society Research) der Universität Hamburg tätig.

 

Dr. Silke Bollmohr ist promovierte Umweltwissenschaftlerin (Universität Koblenz-Landau) und arbeitete 25 Jahre praktisch und wissenschaftlich vorwiegend auf dem afrikanischen Kontinent zu agrarpolitischen Themen. Nachhaltige Landwirtschaft war dabei das Schlüsselthema. In den letzten fünf Jahren hat sie verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen in Südafrika, Nigeria und Kenia in der Kampagnenarbeit wissenschaftlich begleitet.  Zusammen mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern hat sie Alternativen erarbeitet, um resilientere Agrarsysteme aufzubauen, die weniger von externen Betriebsmitteln abhängig sind. Seit Kurzem arbeitet sie bei dem entwicklungspolitischen INKOTA Netzwerk als Referentin für Welternährung und globale Landwirtschaft.

 

Sefu Sanni ist Koordinatorin der Youth Policy Working Group von CSIPM und regionale Koordinatorin der Region Afrika von CSIPM. Sie war Teil der afrikanischen Regionalkonsultationen zu Bestandsaufnahmen und Bedenken in Bezug auf die Ernährungssituation in den Gebieten, Ländern und unterschiedlichen Regionen Afrikas, mit denen ein Appell ausgesprochen wurde – an Regierungen, Gemeinden, Organisationen und alle anderen Gruppen und Akteure -, unsere Ernährungssysteme auf unterschiedlichen Ebenen zu mobilisieren und an einem Strang zu ziehen, um die Ernährungssouveränität des Kontinenten in die Hand zu nehmen. Sefu Sanni leistete einen aktiven Beitrag zur 49. und 50. Generalversammlung des CFS. Sie ist Mitglied von World March of Women. In dieser Funktion ist sie verantwortlich für Kommunikation und Berichterstattung und ließ sich 2022 für die Bezirkswahlen aufstellen. Darüber hinaus ist sie Künstlerin.

Prado A.-Weiss ist Forschungsprofessorin am Fachbereich für Ernährungswissenschaften der Universidade Federal de Goiás in Brasilien. Sie ist Mitglied der Arbeitsgruppe zur Ernährungssicherheitskontrolle des brasilianischen Forschungsnetzwerks für Nahrungsmittel- und Ernährungssouveränität und -sicherheit. Prado A.-Weiss hat einen wichtigen Beitrag zur II. nationalen Untersuchung der Ernährungsunsicherheit im Kontext der Corona-Pandemie in Brasilien geleistet. Ihr Forschungsansatz ist interdisziplinär und gemeinschaftsbasiert. Sie forscht zum Recht auf Nahrung und zu Ernährungsangeboten für Schulkinder. Derzeit ist sie in Deutschland ansässig, wo sie zur Politik in den Bereichen Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit, zu ernährungsspezifischen Maßnahmen, zur Nahrungsmittel- und Ernährungsunsicherheit sowie zur Ernährungsgerechtigkeit forscht.

Moderation

Stig Tanzmann ist Landwirt und Agrarwissenschaftler und arbeitet seit 2010 als Referent für Landwirtschaftsfragen bei Brot für die Welt. Seit 2008 befasst er sich mit den internationalen Auswirkungen der europäischen Fleischproduktion. Weitere thematische Schwerpunkte seiner Arbeit sind, die entwicklungspolitischen Wirkungen der Agrarpolitik der EU, Agrarökologie, Biodiversität, Bioökonomie, Digitalisierung in der Landwirtschaft, Gentechnik und Saatgut.

 

Seite empfehlen